Trendthema Streaming auf Twitch – mit Daniel aka Shuffgy

Carla Maria

Carla Maria ist Gründerin des Blogs "Moin Mollie!" Mit Herzblut und Augenzwinkern, aber auch viel Leidenschaft und Ernst schreibt sie zu allen Themen, die sie in ihrem Alltag beschäftigen. "Wichtig ist, was du draus machst." Über jeden Kommentar zu ihren Beiträgen freut sie sich übrigens sehr - egal wie lang oder kurz er ist :)

Daniel aka Shuffgy ist derjenige, der mich vor über einem Jahr eigentlich erst auf Twitch aufmerksam gemacht hat – bei einem Plausch im Büro. Ich war ihm dafür sehr dankbar, denn plötzlich hatte ich eine Möglichkeit, Leuten live zuzugucken, wie sie das erste Mal Animal Crossing spielten – noch vor dem offiziellen Release. Aber ich blieb danach nicht dran. Und irgendwann fragte ich mich – was ist das eigentlich mit dieser Faszination Twitch? Weil ich dir dazu also nicht viel erzählen kann, habe ich Daniel dazu ein paar Fragen gestellt. Bist du genauso gespannt auf seine Antworten wie ich? Hier sind sie:

Moin Daniel! Zunächst erst einmal vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, für meine Fragen Rede und Antwort zu stehen. Das freut mich sehr! Zur ersten Frage: Wie bist du eigentlich (damals…) überhaupt zum Gaming gekommen?

Im Alter von 6-8 Jahren – ich weiß es nicht mehr genau – habe ich meine Eltern lange genug genervt, endlich eine N64 Konsole zu bekommen. Als wir in einem entsprechendem Geschäft waren, bin ich einfach zu einem Verkäufer gerannt und habe ihn angesprochen. Meine Eltern wurden überzeugt und ich bin glücklich hinausmaschiert. Es wurde auch stark darauf geachtet, dass ich nicht länger als 1 Stunde spiele und sobald ich im Bett war, hat meine Mutter heimlich selbst „Super Mario 64“ gespielt.

Dann kam lange nichts. Als nächstes gab es die PlayStation 2 als unerwartete Geburtstagsüberaschung. Aber am meisten Zeit habe ich dann wohl irgendwann am Computer in „Age Of Empires 2“ und „Command and Conquer Generals“. Letzteres dann sogar online gegen echte Spieler! Als man noch das Kabel aus der Telefonstation ziehen musste um sich via AOL ins Internet einwählen zu können, gab es hier dann oft Reibungen, wenn jemand mal telefonieren wollte.

Im Arbeitsleben angekommen, habe ich kaum noch gezockt. Ich war lieber produktiv oder habe andere Dinge getan und auf YouTube nebenbei Lets Plays geschaut. Zurück zum Gaming kam ich dann wieder, als es sich durch neue Bekanntschaften und durch die Suche nach etwas Ablenkung vom Arbeitsleben einfach ergab

Wann und wie bist du auf Twitch gestoßen?

Vor über 6 Jahren habe ich mich auf Twitch registriert. Wenn ich mich recht entsinne, dann weil ein YouTuber, dessen Videos ich noch heute gerne sehe, „das mal ausprobieren wollte“ und ich nun seitdem nicht nur seine Videos, sondern auch gerne seine Live-Streams schaue.

Was macht für dich die große Faszination an Twitch aus?

Die Vielfalt an Möglichkeiten, die die Plattform bietet und die direkte Interaktion mit den Zuschauern in Echtzeit. YouTube war immer so die Alternative zum linearen Fernsehen. Weg von festen Zeitplänen, einfach das ansehen was einen interessiert und vor allem wann und wie oft man will. Der Creator kann sich hinterher die Kommentare anschauen und sich Feedback daraus mitnehmen.

Twitch ist zwar nicht unbedingt ON DEMAND (man kann sich Streams aber meist im Nachhinein nochmal ansehen), aber man kann in Echtzeit mit dem Streamer interagieren. Nur hier ist es möglich irgendwie auf das Spielgeschehen Einfluss nehmen zu können oder über „Gott und die Welt“ zu reden während gespielt wird. Klar, man kennt die Person oft nicht persönlich. Es fühlt sich aber trotzdem irgendwie so an wie früher, als man sich mit Freunden zum zocken bei sich verabredet hat, einer spielt und der andere eben zuschaut oder man zusammen quatscht.

Ist Twitch nur was für Gamer oder gibt’s da auch anderen Content?

Es ist eher eine Plattform für Kreative. Deswegen bevorzuge ich auch eher den Begriff „Streamer“ oder „Creator“ statt Gamer. Gaming macht hier natürlich noch den Großteil aus, aber das ist längst nicht mehr nur alles. Du kannst live programmieren, Bilder bearbeiten, Cosplay-Kostüme bauen, einfach nur mit den Zuschauern reden – manche bügeln dabei sogar ihre Wäsche währenddessen.

Wie bist du vom reinen Viewer zum Streamer auf Twitch geworden?

Das war einfach ein langsamer Prozess und geschah durch einen Mix aus „Überredung/Überzeugung“, Neugier und Timing, schätze ich. Durch YouTube und Twitch habe ich kaum noch selbst gezockt, lieber zugeschaut und nebenbei entweder entspannt oder etwas produktives gemacht. Das war praktisch, aber irgendwann fehlte das Zocken schon. Aber warum sollte man mir dabei zuschauen?

„Überredung/Überzeugung“: Dann fing ein Kumpel und ehemaliger Kollege an zu streamen. Plötzlich war das ganze Thema „Streaming“ viel näher, da es im Freundeskreis stattfand. Ab und zu zockte ich auch mit ihm, während er das streamte.

Wie das so ist, wenn man bei Sprachnachrichten seine eigene Stimme hört, ist es für einen selbst erstmal seltsam, aber vereinzelt fand man meine Stimme wohl recht angenehm und ich solle auch beginnen zu streamen.

Neugier: Obendrauf bin ich sehr Technik-begeistert. Ich wollte wissen wie man so ein Setup aufbaut, was man braucht und wie es funktioniert. Da ich nebenbei auch fotografiere, gings mir auch um die Bildqualität, Ausleuchtung und ob ich meine Spiegelreflexkamera dafür nutzen könnte. Einfach nur um sowas auch mal aufgebaut zu haben.

Timing: Und dann kam Corona & Home-Office.

Die eingebaute Laptop-Kamera und das Mikrofon haben zwar anfangs ihren Job getan, aber das war irgendwie nicht das gelbe vom Ei. Dann hängt man beinah täglich auf Twitch und sieht die Setups und kommt automatisch auf den Trichter „Ach komm, ich mach das jetzt“. Ein Headset war wegen der gelegentlichen Zockerei schon vorhanden. Also noch ein gutes Mikrofon geholt, mich damit auseinandergesetzt wie ich meine Fotokamera als Webcam nutzen kann und schon war fürs Home-Office alles da. Dann kann ich doch auch eigentlich mal live gehen.

Und ein paar Monate später war ich dann mal live.

Was spielst du und warum, denkst du, gucken die Viewer gern zu?

Ich spiele die Spiele, die mich interessieren und mein Interesse ist breit gefächert. Von bspw. „Octopath Traveler“, einem RPG im Pixel-Look (aber wunderschön), bis hin zu aktuellen Spielen wie Cyberpunk 2077 und gelegentlich mal einem Gruselspiel wie „Little Nightmares“, versuche ich die Waage zu halten zwischen „Das Spiel interessiert mich und macht mir Spaß“ und „Das könnte auch im Stream funktionieren“.

Der Hauptgrund, warum Zuschauer bei einem hängen bleiben, ist meistens der Streamer selbst. Entweder ich mag die Person und es ist zweitranging was er spielt oder ich suche nach jemandem, der das Spiel sehr gut beherrscht, bzw. entertainend rüberbringt.

Zum Zeitpunkt des Artikels spiele ich sogar montags mit einem sehr guten Freund ein Multiplayer-Spiel. Er streamt es auf seinem Kanal, ich auf meinem. Hier macht es dann eben die Chemie zwischen uns, wie wir uns gegenseitig Steine in den Weg legen und am Ende aber doch alle Rätsel gelöst bekommen.

In Zukunft möchte ich aber auch mehr Kreatives streamen. Bildbearbeitung, Web- / App-Design, Programmierung, etc. Ideen sind auf jeden Fall da.

Reden oder nicht reden? Und was redet man da eigentlich?

Defintiv reden. Kommentieren was man sieht, denkt, fühlt. Mit dem Chat interagieren, nach der Meinung der Zuschauern fragen und das kommentieren.

Es gibt oft Spiele die einen vor eine Wahl stellen. Hier kann man dann bspw. fragen was der Zuschauer jetzt tun würde. Oder komplett unabhängig von dem gezeigten kann man auch mit den Zuschauern über was ganz anderes reden. Während im Spiel gerade ein Rätsel gelöst werden will, unterhält man sich auch beispielsweise gerne mal nebenbei was man zuletzt gekocht und wie man es zubereitet hat.

Das meine ich, was ich zur Faszination Twitch meinte.

Warum eigentlich Twitch und nicht YouTube?

Ja das habe ich mich zum Start auch gefragt. Deshalb habe ich mir andere Vergleiche dazu angeschaut.

Kurze Fassung: Twitch hat mehr / bessere Funktionen für Streamer, Moderatoren und Zuschauer und ist in dem Bereich „etablierter“. YouTube weiß das natürlich und holt nach und nach auf und wird auch seine Vorzüge haben. Und am Ende ist es wahrscheinlich Geschmackssache.

Deshalb sollte man immer schauen wie gerade der aktuelle Stand der Dinge ist, abwägen und sich dann entscheiden. Was die Zuschauer wahrscheinlich weniger mitmachen ist ein hin und her. Also man sollte dann schon da bleiben wo man ist.

Ich möchte aber auch nicht unerwähnt lassen, dass es Kanäle gibt, die auf beiden Plattformen gleichzeitig streamen.

Hat man / Braucht man als Gamer und Streamer besondere Skills?

Ich bin wohl das beste Beispel für „nein“ 😀

Ich bin selten gut in dem was ich spiele und das Streamen zwingt mich auch zusätzlich mich mehr in Kommunikation zu üben. Mein Skill war eben das technische Verständnis um mir mein Streaming-Setup einzurichten. Aber dazu findet man ansonsten online auch jede Menge Hilfestellung. Ich nehme mir einfach gerne Zeit für das Spiel und versuche vor allem bei Story-lastigen Spielen mich da empathisch hineinzuversetzen und das kommt gut an.

Alles andere ist Bonus. Wenn du gut in einem bestimmten Spiel bist oder dich in einem Thema besonders gut auskennst, kommen eben auch entsprechend die Zuschauer um das bei dir zu sehen oder mit dir zu diskutieren.

Wenn man mit Streaming anfangen will – was ist das grundlegendste Setup?

Ein Account bei der Plattform auf der man streamen möchte und ein Streaming-Programm (bspw. OBS) auf dem PC/Laptop. Das ist alles.

Alles andere, mit dem man einen Stream aufwerten kann, kommt dann eben oben drauf. Möchtest du dich zeigen? Webcam. Soll man dich gut hören? Besseres Mikrofon. Da tuts auch schon ein einigermaßen gutes USB-Mikrofon.

An sich kann man sogar einfach Twitch auf dem Smartphone installieren und darüber live gehen während man an seinem Auto schraubt, spazieren geht oder gerade kocht. Es braucht also nicht viel und die Möglichkeiten sind vielfältig.

Hast du noch irgendwelche Tipps für Twitch-Neulinge – egal ob Viewer oder Gamer?

Tipps für Viewer: Fragt den Streamer lieber vorher ob ihr Tipps geben dürft bevor ihr spoilert, macht keine Eigenwerbung für euren Stream, oder kurz: Seid freundlich. Mehr braucht es nicht. Es ist auch nicht schlimm, wenn ihr nicht aktiv im Chat mitschreibt, sondern euch nur berieseln lassen wollt. Über ein kleines Hallo freut sich aber natürlich jeder Streamer. 🙂

Tipps für Streamer: Erst Audio, dann Bild. Es ist schöner jemanden klar und deutlich zu verstehen, wenn man im Gegenzug vielleicht nicht direkt die beste Bildqualität bieten kann. Viele streamen auch ganz ohne Kamera, sind aber gut zu verstehen. Fragt ansonsten die Viewer ob der Ton & das Bild passt. Manchmal ist das Spiel lauter als man selbst.

Ansonsten ist der Rest reine Kommunikation mit eurer Community. Macht in erster Linie worauf ihr Lust habt – schließlich soll es euch ja auch Spaß machen. Und aller Anfang ist schwer. Die Plattform ist theoretisch gesättigt, also macht worauf ihr Lust habt, findet vielleicht sogar eure Nische und alles andere kommt mit der Zeit.

Daniel, ich danke dir sehr, dass du dir die Zeit für all meine Fragen genommen hast. Und wenn DU, liebe/r Leser/in jetzt noch Fragen hast – an Daniel oder an mich – dann lass sie uns doch bitte in den Kommentaren da.

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