Sarah: #Girlboss bei minzblatt – Kochschule und Catering

Carla Maria

Carla Maria ist Gründerin des Blogs "Moin Mollie!" Mit Herzblut und Augenzwinkern, aber auch viel Leidenschaft und Ernst schreibt sie zu allen Themen, die sie in ihrem Alltag beschäftigen. "Wichtig ist, was du draus machst." Über jeden Kommentar zu ihren Beiträgen freut sie sich übrigens sehr - egal wie lang oder kurz er ist :)

Sarah und ihr minzblatt kenne ich schon sehr lange – sie war mal meine Kollegin, wurde meine Freundin und ich bewundere sie für alles, was sie leistet. Sie ist ein wundervoller Mensch und hat sich, nachdem sie eine große Leidenschaft fürs Kochen und Backen entwickelt hat, mit ihrem eigenen Catering-Unternehmen in und um Hannover selbstständig gemacht.

Es dauerte gar nicht lange, da kamen ein Baby, eine Kochschule und der Ehemann als Mit-Unternehmer dazu. Heute führt sie ein Familienunternehmen, das erfolgreich die Segel Richtung Zukunft gesetzt hat. Auch ihr hat Corona zu schaffen gemacht, aber sie ist ein so positiver Mensch und anstatt den Kopf in die Kissen zu stecken, hat sie eine Kochbox auf die Beine gestellt, die in ihrer Qualität den Kochkursen und Caterings in nichts nachsteht.

Wie wird man so eine Frau von Unternehmerin?

Ich habe ihr dazu ein paar Fragen gestellt und hoffe, dass da auch für dich – selbst wenn du dich gar nicht selbstständig machen willst – das ein oder andere spannende dabei ist. Denn, hatte ich vergessen das zu erwähnen? Sarah war noch dazu nicht nur einmal, sondern gleich zweimal Kandidatin in einer Kochsendung. Im Fernsehen. Jawoll!

Moin Sarah! Zunächst erst einmal vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, für meine Fragen Rede und Antwort zu stehen. Das freut mich sehr! Zur ersten Frage: Wie hast du deine Lust am Kochen und Backen entdeckt?

Zunächst Dir einmal ein großes Dankeschön für die Interview-Anfrage und die vielen lieben Worte.

Die Leidenschaft für das Kochen und Backen hat sich bei mir erst spät entwickelt. Früher als Kind durfte ich selten bis gar nicht zuhause kochen und backen – da war meine Mama Chefköchin. Sie sagte, bei mir gibt’s dann immer zu viele Krümel, Fettfinger und Unordnung! 😉

Von 2015 – 2016 habe ich einjähriges Abendstudium zur Online-Marketing-Managerin absolviert. Zu Beginn des Studiums haben wir von einem Dozenten die Empfehlung bekommen, einen Blog mit einem Lieblingsthema aufzusetzen, in dem wir all unser Erlerntes einbringen. Bei mir war es ein Blog über das Kochen und Backen – einer von schon viel zu vielen Rezeptblogs. Zu dieser Zeit habe ich bereits mit meinem Mann zusammengewohnt, sodass ich auch ausreichend kochen und backen konnte. Die Rezeptentwicklung hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich immer mehr Zeit in der Küche verbracht habe. Natürlich auch zugunsten von meinem Mann! 😉

Was hat dich dazu bewegt, deine Leidenschaft zum Beruf zu machen?

Der Gedanke, mich selbstständig zu machen, kam zum Ende des Studiums. Ich wollte etwas machen, das meine Leidenschaft für das Kochen und Backen mit meiner Leidenschaft für das Online-Marketing verbindet, und sich mit der Familienplanung gut vereinbaren lässt. Ich hatte die Idee, mich mit einem kleinen Fingerfood-Catering-Unternehmen selbstständig zu machen, und habe meinen Job in der Agentur gekündigt.

Was war die größte Herausforderung, als du dich im ersten Schritt selbstständig gemacht hast? Würdest du heute etwas anders machen?

Im Oktober 2017 habe ich offiziell das Unternehmen „minzblatt – Fingerfood Catering“ gegründet. Zu dieser Zeit war ich bereits schwanger. Im April 2018 kam unsere Tochter Mila zur Welt. Dies wurde dann zu einer Herausforderung in den ersten 12 Wochen, da ich mit einem Baby kein Catering durchführen konnte. Da meine Catering-erfahrene Mama ab April ins Unternehmen als Mitarbeiterin eingestiegen ist, konnten wir wieder Aufträge annehmen und zu zweit das Unternehmen weiterlaufen lassen. So konnte ich optimal von zuhause aus – soweit mir natürlich möglich war – organisieren und koordinieren.

Welche Skills haben dir in den Anfängen deiner Selbstständigkeit am meisten geholfen? Und welche Skills kamen dazu?

Aus meinem Job in der Agentur habe ich viele Skills „mitnehmen“ können. Zu Beginn war das Marketing super wichtig – ob Website, Print oder Social Media. Hier habe ich eine Menge Zeit investiert, die sich sehr gelohnt hat. Zudem habe ich Vertriebs- und Projekterfahrung, die ich sehr gut einsetzen konnte. Was mir tatsächlich gefehlt hat waren Erfahrungen im Bereich Steuern und Finanzen. Dieses Thema musste ich erst einmal verstehen, war aber bei meinem jetzigen Steuerberater damit super aufgehoben, der uns bis heute noch optimal unterstützt.

Was sind deine Tipps für das gesunde Wachstum einer Selbstständigkeit?

Geduld, Durchhaltevermögen und Zielsetzungen. Für mich war es sehr wichtig, dass ich mir Ziele gesetzt habe: Was möchte ich in einem Jahr erreicht haben und wo sehe ich das minzblatt in 3 Jahren? Der Weg dahin war mühevoll, aber mit sehr viel Freude verbunden. Ein wichtiges Ziel war natürlich, dass ich von meinem Job „leben“ möchte. Dies war gleichzeitig für viele anfängliche Monate aber auch immer meine größte Sorge. Hier war Geduld und Durchhaltevermögen mit Blick auf meine Ziele sehr wichtig. Heute bin ich froh, dass ich nicht innerhalb weniger Monate aufgegeben habe, nur weil ich keine Gewinne erwirtschaftet hatte. Es brauchte seine Zeit. Bei mir brauchte es etwas über ein Jahr. Heute darf ich mit meinem Mann ein gesundes Unternehmen führen! 🙂

Als gelernte Online Marketing Managerin – was sind deine Geheimtipps für gute Eigenwerbung in der Selbstständigkeit? Viele haben Scheu, ihre eigenen Stärken nach außen zu tragen und zu bewerben – gibt es einen sympathischen Weg / sympathische Kniffe für gekonnte Eigenwerbung?

Über sämtliche Onlinemedien geben wir sehr viele Einblicke in den Kochschulen- und Catering-Alltag. Das interessiert die Menschen und macht viele neugierig. Unsere Fotos, die wir z.B. bei Facebook oder Instagram posten, sind alle in „echten“ und nicht gestellten Kochkursen oder Caterings entstanden. Zudem nehmen wir z.B. unsere Follower bei Instagram bei annähernd jedem Kochkurs per Foto und Video(Botschaften) mit. Dabei ist Authentizität und Persönlichkeit wichtig – ob im Kurs mit dem Menschen oder als Kommunikation über die Medien. Gestellte Fotos oder vorbereitete Videos funktionieren bei uns nicht. Daher arbeiten wir auch gerne mit Bloggern aus Hannover zusammen, die gelegentlich Kurse von uns besuchen und darüber aus ihrer Sicht berichten.

Neben den Online-Themen ist aber auch das Gespräch mit den Menschen sehr wichtig – im Voraus, während der Kurse oder Caterings und anschließend mit Nachfrage nach Feedback auf eine nicht aufdringliche Art. So weisen wir auch immer auf das Thema Online-Bewertung hin, was für uns als lokaler Anbieter wertvoll ist. Zudem sind mein Mann oder ich i.d.R. immer vor Ort und legen mit Hand an, was unsere Kunden sehr schätzen. Uns ist es wichtig, dass wir als Inhaber nicht vom Thron das Geschehen beobachten und „arbeiten lassen“, sondern mittendrin sind.

Die Kochschule war für dich neben dem Catering bestimmt ein großer Schritt. Wie ist das, so einen großen Schritt zu machen? Muss man ein gewisses Mindset mitbringen, welche Unterstützung braucht man?

Ein Ziel in meinem Businessplan war die Eröffnung einer Kochschule. Vielleicht war der Tag, an dem ich von der ehemaligen Inhaberin gefragt wurde, ob ich ihre Kochschule übernehmen möchte, Schicksal. Es war genau die Kochschule, die ich als Beispiel in meinem Plan als Zukunftswunsch erwähnt hatte. Mein Mann war zu dieser Zeit noch in einem anderen Unternehmen angestellt. Für mich war aber klar: Wenn er jetzt nicht als Teilhaber mit einsteigt, schaffe ich das nicht – Caterings, Kochkurse, Events und natürlich das Muttersein. Mein Mann und ich haben aber immer wieder mal gesprochen; wenn sich die Möglichkeit eines Familienunternehmens ergibt, nutzen wir diese. Und da war sie. Durch seinen Einstieg und seine Erfahrung im Bereich Wirtschaft, Finanzen und Unternehmensführung konnten wir das minzblatt optimal gemeinsam führen. Wir haben klare Aufgabenverteilungen und gemeinsame Ziele. Letztlich braucht es natürlich auch ein tolles Team – das wir haben und sehr wertschätzen.

Ein Blick hinter die Kulissen von minzblatt – Kochschule und Catering in Hannover

Du hast ja schon an zwei Kochsendungen im Fernsehen teilgenommen. Wie kam es eigentlich dazu? Was hast du mitgenommen?

Ja, genau. Ich hatte die Möglichkeit bekommen, bei MasterChef Deutschland 2017 (Top 40) und The Taste 2020 (Top 30) teilzunehmen. Für MasterChef wurde ich damals angeschrieben – ich glaube, das war auch meinem Rezeptblog „geschuldet“ 😉 – und bei The Taste habe ich mich online beworben, weil ich einfach Lust und durch Corona Zeit dazu hatte. Aus beiden Sendungen habe ich eine Menge mitgenommen, bei The Taste jedoch noch einiges mehr. Auch wenn ich bei beiden Sendungen nicht weit gekommen bin, gibt es vorab eine Menge Vorbereitungen und Castings, die mich persönlich weitergebracht haben. Für The Taste habe ich mich so akribisch vorbereitet – ich habe alle Staffeln geschaut und Kochtechniken analysiert und aufgeschrieben, ich habe massenweise Rezepte gelesen und natürlich fleißig probegekocht. Damit habe ich mich in der Vorbereitungszeit deutlich weiterentwickelt.

Spill the tea – wie ist das so hinter den Kulissen einer Kochsendung? Eines Catering-Unternehmens? Einer Kochschule?

Hinter den Kulissen einer Kochsendung ist eine Menge los, von dem der Zuschauer nichts mitbekommt. Es stecken so verdammt viele Menschen und eine optimale Organisation dahinter. Als ich das erste Mal das The Taste Studio betreten habe, war ich einfach nur völlig überwältigt. Und als ich die vielen Kameras gesehen habe, stieg die Aufregung. Der Zuschauer bekommt nur einen kleinen Teil zu sehen, von dem, was von Dir als Kandidat aufgenommen wird. Zudem wissen viele nicht, was vor der Sendung eigentlich alles „durchlaufen“ wird – Telefonate, Interviews, Videos, Probekochen etc. 😉

Hinter den Kulissen unseres Unternehmens passiert auch eine Menge, von dem unsere Kunden nicht immer alles wissen. Zunächst müssen wir einen durchdachten Terminplan mit unseren Köchen erstellen. Dann schlagen wir die Werbetrommel für die jeweiligen Kurse. Dann müssen wir jeden Kochkurs individuell vorbereiten und durchführen – Anfragen und Buchungen koordinieren, Rezepthefte je nach Gruppengröße anpassen, Einkaufslisten schreiben und durch Hannover fahren und einkaufen, ca. 3 Stunden den Kurs vorbereiten und anschließend i.d.R. bis kurz nach Mitternacht die Kochschule wieder instand bringen. Am Tag darauf gibt es eine Nachbereitung des Kurses – ggf. Rezeptanpassungen, Equipment-Einkaufslisten, Rechnungen schreiben und online über die Kurse berichten. Zwischendurch sind wir auch immer im engen Austausch mit unseren Köchen und treffen uns gelegentlich zum Probekochen für neue Rezepte.

Hinter den Kulissen eines Catering-Unternehmens, insbesondere in der Küche kann es auch schon mal stressig werden. Hier bedarf es immer eine perfekte Organisation, da Caterings zeitgebunden sind in Bezug auf Lieferung, aber auch in Bezug auf die „frische“ Vorbereitung. Bei uns gibt es feste Ablaufpläne und erprobte Rezepte, die wir entwickelt haben. Damit können wir genau planen, wann welche Zutaten eingekauft werden können/müssen, inwiefern Speisen vorbereitet werden können oder tagesfrisch zubereitet werden müssen oder auch, wie lange die Zubereitung der jeweiligen Speise dauert. Was einige Kunden nicht aktiv sehen, aber hoffentlich schmecken und optisch an der Speise sehen, ist unsere Handarbeit, mit der wir unsere Speisen zubereiten. Jeder Puffer wird handgerieben und jede Sauce hausgemacht zubereitet etc. Wir legen einen hohen Wert auf Frische und versuchen soweit wie möglich auf Convinience-Produkte zu verzichten.

Selbstständig, Ehefrau, Mutter, Tochter, Freundin… – wie bringst du das alles so gekonnt unter einen Hut? Was sind deine Tipps?

Das weiß ich manchmal selber gar nicht (*lach*)! 😀 Es ist eine gute Organisation. Und seit mein Mann mit im Unternehmen ist, ist es einfacher geworden. So können wir uns für die Arbeits- und Freizeit abstimmen oder uns selber einfach mal unter der Woche einen Tag freinehmen. Und wenn unsere Tochter in der KiTa ist, findet Ihr uns i.d.R. im Büro oder der Kochschule, damit wir am Nachmittag Zeit mit ihr haben. Einige Tage in der Woche ist einer von uns dann beim Kochkurs und der andere genießt die Zeit mit ihr. Und um den März 2021 herum „stocken“ wir unser Familienteam dann mit einem kleinen Jungen auf, den ich noch einige Wochen in mir tragen darf! 😉 Familie und Selbstständigkeit funktioniert – es braucht eben eine gute Organisation und etwas Mut.    

Wenn DU wählen müsstest, welchen Kochkurs würdest du machen und warum? Und welches Fingerfood dürfte auf deinem Buffet nicht fehlen?

Schwierige Frage. Ich wäre wahrscheinlich wie einige unserer Kunden, die es sich zum Hobby gemacht haben, all unsere Kurse einmal durchzukochen. Mein Geschmack ändert sich aber auch ständig – mal habe ich Lust auf eine gefüllte Pastilla, dann freue ich mich, wenn etwas vom peruanischen Hühnerfrikassee über ist und dann nasche ich einen andern Tag super gerne mal an den tunesischen Teigtaschen mit Ricotta und Spinat. Das ist übrigens ein kulinarischer Luxus, dass wir immer wieder andere Länderküchen probieren können – sofern etwas übrig bleibt! 😉

Auf meinem Fingerfood-Buffet dürfen auf keinen Fall Saté-Spieße, Flammkuchen mit rote Bete und Ziegenkäse und Cheesecake-Brownies fehlen.

Hui, das waren doch eine Menge Fragen. Ich danke dir nochmals sehr, dass du dir die Zeit dafür genommen hast. Und wenn du jetzt noch Fragen hast – an Sarah oder mich – dann lass sie uns doch bitte in den Kommentaren da.

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