Der kreative Weg von Sketchies by Anja

Portraitbild von Anja mit Scribbles drum herum, die ihre Kunst zeigen
Carla Maria

Carla Maria ist Gründerin des Blogs "Moin Mollie!" Mit Herzblut und Augenzwinkern, aber auch viel Leidenschaft und Ernst schreibt sie zu allen Themen, die sie in ihrem Alltag beschäftigen. "Wichtig ist, was du draus machst." Über jeden Kommentar zu ihren Beiträgen freut sie sich übrigens sehr - egal wie lang oder kurz er ist :)

Ich kenne Anja vom Lettering- und Sketchnote-Stammtisch in Hannover, aber auch vom ersten Sketchnote-Barcamp hier in Hannover – also quasi vom Beginn ihrer Zeichenlaufbahn an. Anjas Zeichnungen, wenn man von Beginn an guckt, sind mit so viel Liebe, Herzblut und wachsendem künstlerischen Selbstbewusstsein entstanden. Ich bewundere ihre Arbeit und wollte von ihr wissen: Wie war und ist eigentlich dein kreativer Weg? Dafür habe ich ihr ein paar Fragen gestellt und hier liest du das Ergebnis.

Moin Anja! Zunächst erst einmal vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, für meine Fragen Rede und Antwort zu stehen. Das freut mich sehr! Zur ersten Frage: Wann und warum hast du mit dem Zeichnen angefangen?

Im Frühjahr 2018 musste ich berufsbedingt für einen Workshop Flipcharts erstellen. Meine Handschrift ist nicht gut, ich bin umerzogener Linkshänder. Entsprechend sahen die Flipcharts aus. Ich habe dann gedacht, ich könnte statt des Wortes Pause auch eine Kaffeetasse malen, um es ein wenig aufzupeppen. Tja, und ich konnte keine Tasse malen. Ich habe viel zu kompliziert gedacht.

Ich habe dann gegoogelt und die Welt der Sketchnotes entdeckt. Und auf das Flipchart gesellte sich noch ein Wecker. Und zwar ganz einfach gezeichnet. Da war es um mich geschehen.

Was war am Anfang die größte Herausforderung für dich? Und wie ist es heute – was würdest du heute als deine größte Herausforderung benennen?

Am Anfang tatsächlich das Dranbleiben. Ich habe täglich geübt. War damit aber allein und wollte auch nicht jedes Kritzelmännchen meiner Familie zeigen. Auf den Rat meiner Jungs habe ich dann meinen Instagramaccount eingerichtet. Das war die richtige Wahl, weil ich Feedback bekam und wusste, wohin mit meinen Zeichnungen.

Heute finde ich es herausfordernd herauszufinden, wo ich hin will. Am Anfang habe ich gedacht, die reinen Sketchnotes sind das, was ich machen möchte. Die finde ich auch immer noch super. Ich merke aber, ich habe unheimlich viel Freude an meinen kleinen Zeichnungen, die Geschichten erzählen. Und da liebe ich Aquarellpapier und Wasserfarben, gerne bunt.

Am Anfang fühlen sich viele oft erschlagen von all den perfekten Ergebnissen da draußen. Wie hast du Selbstbewusstsein für deine Zeichnungen erlangt?

Ich bewundere ganz viele tolle Künstler und habe viel Freude an deren Zeichnungen. Ich habe aber das Glück, zufrieden mit einem Ergebnis sein zu können. Ich habe bis auf vielleicht 5-6 Ausnahmen alles gepostet (außer natürlich rein private Dinge wie Geschenke), weil ich immer gedacht habe, das ist jetzt mein Stand und so ist es. Und ich freue mich darüber, weil es mich nicht einschränkt. Ich mache das einfach. Wenn ich mir heute meine Bilder von vor 2 Jahren ansehe, dann gehören die zu meinem Weg. Meine Bilder müssen auch nicht jedem gefallen, diesen Anspruch habe ich gar nicht. Das ist sowieso unrealistisch. Also einfach trauen.

Welche Person und welche Aussagen waren für dich die größten Aha-Momente?

Ich weiß nicht mehr wer es war, ich war, glaube ich, zu verdattert. Es war auf dem Hannover Barcamp 2019. Da wurde ich auf meine Bilder angesprochen, dass die so viel Freude bringen. Das fand ich total schön.

Wenn du deinen kreativen Weg beschreiben müsstest, wie sähe das aus? Hat sich dein kreativer Weg im Laufe der Zeit auch verändert?

Also am Anfang habe ich viel abgemalt, immer wieder die Grundformen der Sketchnotes in Bilder verwandelt und viele Stifte gekauft. Dann habe ich gemerkt, dass ich meistens dieselben Stifte verwende und kaufe jetzt gezielter. Danach habe ich begonnen nicht mehr abzumalen, sondern selbst ins Denken zu kommen. Wie sieht überhaupt ein Hund aus? Wo sind die Ohren, was ist typisch, um ihn als Hund erkennbar zu machen.

Ja, und dann war plötzlich mein eigener Stil da. Ich habe drawyourday für mich entdeckt und ab dem Zeitpunkt eine Art gemaltes Tagebuch geführt. Ich habe einfach drauflosgemalt und es wurde wie es wurde. Für diese Bilder habe ich dann viel positives Feedback bekommen. Und heute zeichne ich Karpfen- oder Vogelgeschichten und biete diese auch als Postkarten an. Hätte ich nie gedacht, dass es mal so etwas wird.

„Die Angst vor dem leeren Blatt“ oder auch die kreative Blockade – hast du das selbst schon erlebt? Wie bist du damit umgegangen?

Bisher zum Glück noch nicht wirklich. Manchmal weiß ich zwar nicht, was ich zeichnen soll, aber dann habe ich auch schonmal gezeichnet, dass ich nicht weiß was ich zeichnen soll 🙂 Und einfach Figuren üben oder Tiere geht immer.

Sketchnotes, Zeichnen, Lettering – sind das für dich unterschiedliche Disziplinen oder betrachtest du sie als eins in deinem Kreativprozess?

Mittlerweile betrachte ich sie für mich als eines. Ich verbinde alle drei Dinge miteinander. Ich bewundere aber die richtigen Letterer. Was die für Schriften zaubern, unglaublich. Dazu bin ich viel zu ungeduldig. Meine Zeichnungen gehen schnell und die Schrift schafft für mich eine Verbindung, um den Zeichnungen eine Art Richtung zu geben, was ich ausdrücken will. Manche Zeichnungen kommen auch ohne aus, wenn ich den Interpretationsspielraum bewusst weit lasse. Meine Schriften sehen oft ziemlich gleich aus. Aber ich glaube, das ist trotzdem lettern 🙂

Du schreibst, dass du Workshops besucht und Übungen gemacht hast. Hast du hier konkrete Empfehlungen, mit denen wir starten können?

Also angefangen habe ich mit ganz einfachen YouTube Videos, die Annelies von @Meisterbar zur Verfügung gestellt hat. Man findet sie auch auf Instagram. Ich habe auch einen Online-Kurs gemacht. Und Workshops besucht zum Thema lettern oder Flipchart. Empfehlen würde ich auf jeden Fall das Sketchnotebarcamp in Hannover oder unseren Letterstammtisch in Hannover. Da treffen sich Gleichgesinnte und man kann viel ausprobieren. Es gibt auch tolle Bücher. Mein erstes war von Nadine Roßa. Toll für Einsteiger.

Aber am wichtigsten: Machen und üben, üben, üben. Egal wie es aussieht.

Hand aufs Herz – gibt es einen Lieblingscharakter oder Lieblingsstil in deinen eigenen Zeichnungen? Was sind deine Favoriten?

Hättest du mich das vor ein paar Wochen gefragt, hätte ich gesagt, mein Karpfen. Mittlerweile komme ich aber von meinen Vögeln nicht los. Besonders die beiden kleinen rosa Vögel, die meistens nur doof irgendwo sitzen und gucken. Die male ich sooooo gerne und freue mich selbst dabei.

Und noch eine Frage zum Thema Inspiration. Wo findest du Inspiration und wie wandelst du diese Inspiration in dein „eigenes Ding“ um?

Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt. Ich beobachte gerne Menschen im Alltag und merke mir besondere Begegnungen. Das kann manchmal nur ein Satz sein, der sich festsetzt. Meistens denke ich über die nächste Zeichnung nach, wenn ich mit dem Hund gehe. Dann denke ich, soooo, was könnten die Vögel denn mal erleben? Was machen die denn so? Was mögen die denn? Würmer….OK…dann habe ich schon den Wurm. Und dann ist es plötzlich im Kopf. Und dann will es auch aufs Papier. Ich habe einfach Spaß am Zeichnen und habe nicht den Druck etwas machen zu müssen. Das ist natürlich eine gute Basis. Ich muss niemanden fragen, ob es ihm gefällt. Daher kann ich auch völlig frei denken.

Wie wichtig denkst du ist es, auch das Gesicht zur Kunst zu zeigen?

Puuuuh, gute Frage. Ich bin ja schon ein paar Tage älter und stehe den ganzen Social Media Angeboten doch meist vorsichtig und skeptisch gegenüber. Den Instagram-Account habe ich mit großen Vorbehalten gestartet. Ich wollte auf gar keinen Fall erkannt werden. Das habe ich auch lange durchgehalten. Bei meinem ersten Barcamp habe ich mich immer hinten hingestellt, damit ich auf den Fotos ja nicht zu finden bin 🙂

Das Dumme ist, mit meinen drawyourdays zeichne ich ja doch persönliche Dinge und irgendwie wurde mein Account immer persönlicher. Außerdem mochte ich es, bei anderen zu wissen, wer dahintersteckt. Ich habe also mittlerweile auch ein ganz paar Fotos gepostet. Auf meiner Website ist auch eins. Also wenig aber ja. Ich denke, es ist wichtig, gerade weil das Internet ja doch etwas abstrakt ist. So ein Bild von jemandem schafft Nähe. Und ich muss zugeben, ich habe noch keine schlechte Erfahrung gemacht.

Hui, das waren doch eine Menge Fragen. Ich danke dir nochmals sehr, dass du dir die Zeit dafür genommen hast. Und wenn du jetzt noch Fragen hast – an Anja oder mich – dann lass sie uns doch bitte in den Kommentaren da.

Die Links zum Interview:

Im Folgenden findest du alle Links, unter denen du Anja finden kannst. Inklusive dem hannoverlettert-Stammtisch 🙂

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